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Geschichte

Geschichte

Das in Fachwerkbauweise gehaltene Haupt- und Wohngebäude der Hofanlage wurde in den Jahren 1839/40 errichtet.

Die Errichtung

Das in Fachwerkbauweise gehaltene Haupt- und Wohngebäude der Hofanlage wurde in den Jahren 1839/40 errichtet. Bauherr war Pfarrer Peter Klinkhammer, der von 1830 bis zu seinem Tode 1878 über 50 Jahre als Pfarrer an St. Katharina amtierte und der, wie der spätere langjährige Hürther Volksschuldirektor Arnold Hillen berichtete, um 1930 älteren Hürthern "wegen seines derben und humorvollen Wesens noch in lebhafter Erinnerung war".

Klinkhammer hatte 1839 das Grundstück an der damaligen Schmiede- oder Schmittenstraße gekauft. Ende 1840 bewohnte er das neue Haus bereits mit der sechsköpfigen Familie seines Schwagers und seiner Schwester Reiner und Agnes Löhrer. Möglicherweise hat der seinerzeit erbärmliche Zustand des eigentlichen Pfarrhauses in der Pastoratstraße mit zu der Entscheidung von Pfarrer Klinkhammer zum Bau eines eigenen Hauses beigetragen.

Über dieses alte Pfarrhaus hatte Pfarrer Kalkum schon 1817 berichtet, es sehe einem Stall ähnlicher als einem Haus. 1866 konnte die katholische Kirchengemeinde das Gebäude der ehemaligen Burg unmittelbar neben der Kirche erwerben und zu einem angemessenen Pfarrhaus umbauen, in dem Pfarrer Klinkhammer seither bis zu seinem Tode wohnte.


Die Entwicklung im 19. Jahrhundert

In der Mitte des 19. Jahrhunderts war Hürth (heute Alt-Hürth) ein kleines abgeschiedenes Bauerndörfchen mit (Ende 1840) 836 katholischen und 57 jüdischen Bewohnern. Es lag idyllisch im Tal des Duffesbaches am Nord-Ost-Rand des Villerückens. Seine Bewohner lebten fast ausschließlich von Land- und etwas Waldwirtschaft. Das Dorf verfügte über vier Wassermühlen und zahlreiche größere und kleinere Bauernhöfe. Das von Pfarrer Klinkhammer errichtete Gebäude wurde jedoch zunächst nicht landwirtschaftlich genutzt, sondern diente der Familie des Böttchers Reiner Löhrer als Wohngebäude.

Reiner Löhrer wird in den Quellen erstmals 1867 - also ein Jahr nach dem endgültigen Umzug von Pfarrer Klinkhammer in das neue Pfarrhaus - als Eigentümer genannt. Nach seinem Tod 1873 übernahm dessen Sohn Michael das Gebäude, der 1870 die Müllerstochter Eva Kohlhaas von der gleichnamigen Hürther Mühle geheiratet hatte.

Da diese mehrere Morgen guten Ackerlandes in die Ehe einbrachte, kann man davon ausgehen, dass die Eheleute Michael und Eva Löhrer mit der landwirtschaftlichen Nutzung des Areals begannen und auch bald nach der Übernahme Scheune, Stallungen und Wirtschaftsgebäude errichteten. Sie sind daher als die eigentlichen Begründer der Hofanlage anzusehen, wie sie sich heute nach der Restaurierung durch die Stadtverwaltung Hürth im Wesentlichen darstellt.

Leider konnte das genaue Datum der Errichtung der landwirtschaftlichen Gebäudeteile bisher nicht ermittelt werden. Diese sind erst auf einer Karte aus dem Jahre 1915 nachweisbar. Anlass für die Erstellung dieser Karte war die Erbauseinandersetzung nach dem Tode Michael Löhrers 1914, der ca. sieben Morgen Land am Alstädter Weg, Im Kummet und an der jetzt so genannten Lindenstraße hinterließ.

Der Hof wurde von seinem Sohn Peter Löhrer übernommen. Die beiden unverheirateten Töchter Elisabeth und Helene Löhrer erbauten nach der Erbteilung neben dem Hof die dort heute noch stehende so genannte "Villa Löhrer".

In der Zeit der Bewirtschaftung des Hofes durch Michael und Eva Löhrer erlebte das kleine Bauerndorf Hürth durch die beginnende Industrialisierung große Veränderungen. Um die Jahrhundertwende wurden rund um den den Ort drei große Braunkohlengruben mit Brikettfabriken aufgeschlossen: Grube Theresia 1897, Vereinigte Ville 1901, Hürtherberg 1908.


Die Entwicklung im 20. Jahrhundert

1897 wurde eine Drahtseilbahn zum Transport von Rohbraunkohle und Ton von der Berrenrather Grube Engelbert zu den Ribbertwerken bei Kendenich gebaut, die - durch die Gärten hinter der Lindenstraße verlaufend und die Trierer Straße zwischen Volksschule und neuer Kirche kreuzend - mitten durch den Ort führte. Die gegen den heftigen Widerstand der Hürther gebaute Seilbahn bereitete durch herabfallende Kohle- und Tonbrocken und durch immer wieder ganz abstürzende Kippwagen großen Ärger.

1907 wurde in Knapsack die Stickstofffabrik, 1913 das Goldenberg-Werk in Betrieb genommen. Aus dem beschaulichen Bauerndorf wurde so schnell ein Industrie- und Arbeiterort. Die Bevölkerung der Gemeinde Hürth, zu der auch Knapsack und Alstädten gehörten, verdoppelte sich zwischen 1885 und 1910 von 1.800 auf 3.900 Bewohner. Auch der Löhrerhof war von diesen starken Veränderungen durch nicht unbeträchtliche Landverluste unmittelbar betroffen. 1898 mussten 31 Ar Ackerland an die Grube Theresia und 1910 75 Ar an die Gewerkschaft Hürtherberg verkauft werden.

1912 erwarb die Gemeinde Hürth schließlich noch fast 60 Ar zur Anlage eines neuen Friedhofes an der Alstädter Straße. Mit den verbliebenen sieben Morgen 1914 wird man den Hof für damalige Verhältnisse etwa als mittelgroßen bis kleinen Betrieb einzustufen haben. 1915 gab es dort 8 Stück Rindvieh, 3 Schweine, 2 Ziegen und 20 Hühner.

Schon mehrere Jahre vor dem Tod von Michael Löhrer hatten Sohn Peter und seine Ehefrau Maria Sybilla geborene Baer die Bewirtschaftung des Hofes übernommen. Abgesehen von kleineren Veränderungen, wie dem Anbau von Holzschuppen, dem Einbau von Hühnerställen usw., behielt der Hof in den folgenden Jahrzehnten weitgehend sein Aussehen. 1954 fielen der Backofen und die Toranlage der Verbreiterung der Lindenstraße zum Opfer, 1956 erfolgte eine Renovierung des Wohnhauses, das dabei verputzt wurde.

Nach dem Tod von Peter Löhrer übernahm schließlich die Tochter Elisabeth Löhrer verheiratete Spät den Hof. Um 1970 verkaufte das Ehepaar Spät nochmals größere Ländereien an der Alstädter Straße, die für die Umbettung des Hürther Friedhofes benötigt wurden. Danach betrieb die Familie Spät nur noch etwas Gartenbau und Kleintierhaltung. Josef Spät starb 1982, Elisabeth Spät zog 1985 zu einem Neffen. 1986 wurde die Hofanlage von der Stadt Hürth erworben.


Restaurierung und Umbau zum Ende des 20. Jahrhunderts

Nach umfangreichen Untersuchungen, Beratungen und Planungen durch Ingenieure, Gutachter, Berater, Fachleute, Handwerker, Landeskonservator und Architekten wurde der Löhrerhof von der Stadt Hürth 1988 umfassend restauriert und zum Kulturzentrum umgebaut. Architekt war Dipl.-Ing. Henning Bertermann, die Baubetreuung lag beim städtischen Hochbauamt. Die Gesamtkosten betrugen einschließlich Grunderwerb 1,3 Millionen DM, das Land beteiligte sich mit rd. 800.000 DM, die Kulturstiftung der Kreissparkasse Köln mit 150.000 DM.

Die Fachwerkbauten (Wohnhaus, Futterküche und Tenne) wurden von Grund auf restauriert. Die frühere Stallung und der Schuppen zwischen Wohnhaus und Tenne konnten wegen ihrer schlechten Bausubstanz nicht erhalten werden und wurden durch neue Gebäude in den alten Abmessungen, die mit den restaurierten Fachwerkhäusern harmonieren, ersetzt. Alle Gebäude umschließen wie früher den Innenhof mit seinem alten Balsalt-Kopfsteinpflaster.

Die Tenne wird für kulturelle Veranstaltungen vielfältig genutzt. Das Kulturamt veranstaltet dort die Reihe "Musik im Löhrerhof", "Klassik in der Scheune" und eine Jazzreihe, eine Kleinkunstreihe und den LiteraturHerbst Rhein-Erft. Mit Veranstaltungen an 80 Tagen im Jahr erfreut sich der Löhrerhof in der Bürgerschaft größter Beliebtheit.

URL der Website
http://www.huerth.de/huerthleben/geschichte_loehrerhof.php
letzte Änderung
16.05.2019
Erstelldatum
01.08.2016
Druckdatum
25.08.2019

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