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Stolpersteine
Alt-Hürth

Stolpersteine in Alt-Hürth

Am Clementinenhof 4: Sigismund Miller

Sigismund Miller wurde am 20.8.1894 in Stanislawow (Stanislau) in Galizien geboren und besaß die polnische Staatsangehörigkeit. Er kam als russischer Kriegsgefangener zunächst nach Österreich und arbeitete seit 1919 als Arbeiter auf dem Goldenbergwerk in Knapsack.

1924 trat er vom jüdischen zum alt-katholischen Glauben über und 1926 heiratete er die katholische Arbeiterin Anna Maria Satke aus Bonn. Dem Paar wurde 1929 ein Sohn Karl Wilhelm geboren. Am 17.12.1938 zog die Familie nach Hamburg, vielleicht um von dort aus zu emigrieren. Miller flüchtete aber später nach Belgien, wurde Anfang 1943 nach Auschwitz deportiert und dort am 25.1.1943 ermordet.

Duffesbachstraße 19: Jakob und Toni Sassen

Jakob Sassen wurde am 5.4.1881 in Hülchrath (Kreis Grevenbroich) geboren und arbeitete in der Stickstofffabrik (heute Chemiepark) in Knapsack, wo er in einem Arbeiterheim wohnte. 1928 heiratete er im Alter von 47 Jahren die 55-jährige Antonie (genannt Toni) Kratzenberg aus Grebenstein (Kreis Hofgeismar) und zog mit ihr nach Alt-Hürth.

Das Paar verzog am 6.1.1939 in ein "Judenhaus" in der Kölner Cäcilienstraße 18 - 22. Jakob Sassen hat auch danach wahrscheinlich zu mindestens zeitweilig noch weiter in Knapsack gearbeitet. Am 15.6.1942 wurde er von Köln-Deutz aus in das Ghetto Theresienstadt (Terezin) in Tschechien deportiert, wo er am 2.3.1944 den Tod fand. Seine Frau Toni wurde von Köln aus in die Jüdische Heil- und Pflegeanstalt Bendorf-Sayn (bei Koblenz) eingewiesen, wo seit 1940 jüdische Patienten mit psychischen Erkrankungen aus dem gesamten Reichsgebiet zusammen gepfercht wurden. Sie starb hier am 5.2.1942 und entging damit der Deportation am 15.6.1942, als die letzten 250 Patienten sowie die Krankenschwestern und Ärzte der Heilanstalt nach Sobibor deportiert und ermordet wurden

Große Ölbruchstraße 29: Ida und Luise Natan

Ida Nathan geb. Rosenberg wurde am 2.4.1876 in Horneburg (Kreis Recklinghausen) geboren. Sie war verheiratet mit dem Alt-Hürther Metzger Oskar Nathan. Das Paar hatte drei Kinder: Hedwig (*1902), Luise (*1904) und Joseph (*1909). Nach dem Tod ihres Mannes 1928 betrieb Ida Nathan in der ehemaligen Metzgerei in der Großen Ölbruchstraße einen kleinen Lebensmittelladen.

Joseph und Hedwig Nathan wanderten 1934 bzw. 1936 nach Palästina aus, Ida Nathan und ihre Tochter Luise blieben in Hürth. 1941 wurde im Hinterhaus Ihres Anwesens ein sog. "Judenhaus" eingerichtet, in das alle noch in Hürth verbliebenen jüdischen Menschen ziehen mussten. Von dort wurde Ida Nathan am 14.6.1942 nach Köln-Deutz gebracht und einen Tag später in das Ghetto Theresienstadt (Terezin) in Tschechien deportiert. Am 19.9.1942 wurde sie in das Vernichtungslager Treblinka deportiert und ermordet.

Luise Nathan wurde am 8.10.1904 als Tochter von Oskar Nathan und Ida geb. Rosenberg in Hürth geboren. Nach der Emigration ihres Bruders Joseph nach Palästina 1934 lebte sie gemeinsam mit ihrer Mutter in ihrem Haus in der Großen Ölbruchstraße. Am 14.6.1942 wurde sie zusammen mit ihrer Mutter nach Köln-Deutz gebracht und schon am nächsten Tag vom Kölner Hauptbahnhof aus in das Vernichtungslager Sobibor deportiert, wo sie ermordet wurde.

Matthiasstraße 4: Wilhelm Kox

Der gelernte Metzger Wilhelm Kox wurde am 8.11.1900 in Aachen geboren. Er war verheiratet mit Adolfine geb. Stammen und hatte einen 1926 geborenen Sohn Wilhelm. Er kam 1919 nach Hürth und arbeitete als Schlosser auf der Braunkohlengrube "Vereinigte Ville". 1920 trat er der KPD bei und wurde ein führender Funktionär dieser Arbeiterpartei.

Er war Mitglied des Hürther Gemeinderates und unbesoldeter Beigeordneter. 1930 wurde er Parteisekretär im Unterbezirk Koblenz und ging 1931 zum Studium auf die Lenin-Schule in Moskau. 1933 kehrte er nach Deutschland zurück und baute hier gemeinsam etwa mit Herbert Wehner eine illegale Landesleitung der KPD auf. Später lebte er im Saarland, in Paris, Prag und Moskau. 1936 wurde er aus der KPD ausgeschlossen und kehrte nach Deutschland zurück, wo er mehrfach verhaftet wurde, zuletzt am 16.9.1939 wegen angeblicher Spionage für den tschechischen Geheimdienst. Am 20.3.1940 wurde er vom Volksgerichtshof zum Tode verurteilt und am 10.8.1940 in Berlin-Plötzensee hingerichtet.

Pastoratstraße 7/9: Regina und Isidor Kaufmann

Regina Kaufmann geb. Scheuer wurde am 11.3.1861 in Gelnhausen (Hessen) geboren. Sie war verheiratet mit dem 1914 gestorbenen Metzger Isaak Kaufmann aus (Alt-)Hürth. Nach dem Tod Ihres Mannes führte sie gemeinsam mit ihrem Sohn Isidor den Betrieb ihrer Metzgerei in der Pastoratstraße fort. Sie verkauften noch 1933 das Haus und die Metzgerei und zogen zu ihrer Stieftochter Josephine Berg geb. Kaufmann nach Hürth-Alstädten. Im Juli 1941 musste Regina Kaufmann gemeinsam mit ihrer Stieftochter und ihrem Schwiegersohn Ludwig Berg in das sog. "Judenhaus" in der Großen Ölbruchstraße 29 ziehen. Von dort wurde sie 14.6.1942 nach Köln Deutz und am 15.6.1942 weiter in das Ghetto Theresienstadt (Terezin) in Tschechien deportiert, wo sie am 19.12.1942 den Tod fand.

Isidor Kaufmann wurde am 25.12.1894 in Hürth geboren als Sohn des Metzgers Isaak Kaufmann und seiner Frau Regina geb. Scheuer. Nach dem Tod seines Vaters 1914 führte er gemeinsam mit seiner Mutter die Metzgerei in der Pastoratstraße weiter. Er wurde am 1.4.1933, dem Tag des ersten von Nationalsozialisten organisierten "Judenboykotts" wegen eines angeblichen illegalen Waffenbesitzes verhaftet. Nach seiner Entlassung verkauften er und seine Mutter schnell die Metzgerei und zogen zu seiner Halbschwester Josephine Berg geb. Kaufmann nach Hürth-Alstädten. Am 6.9.1938 flüchtete Isidor Kaufmann nach Brüssel und während oder nach der Besetzung Belgiens durch deutsche Truppen 1940 weiter nach Frankreich. Am 10.8.1942 wurde er mit einem Transport aus Südfrankreich in Auschwitz eingeliefert und dort am 17.9.1942 ermordet.

Weierstraße 17: Albert Pung

Der katholische Schreiner Albert Pung wurde am 17.12.1894 in Ettringen (Kreis Mayen) geboren und heiratete am 21.12.1920 die Jüdin Pauline Nathan aus Alt-Hürth. Das Paar bekam zwei Söhne: Josef (*1924) und Erich (*1927). Erich lebte wegen einer Körperbehinderung seit etwa 1941 in einem Heim. 1944 wurde die Familie Pung verhaftet und in ein Sammellager in Köln-Müngersdorf verschleppt. Pauline Pung wurde in das Konzentrationslager Sachsenhausen bei Berlin deportiert und bei Kriegsende von der Roten Armee befreit und gerettet. Sohn Josef kam in ein Arbeitslager in Sachsen, wo er ebenfalls überlebte. Albert Pung wurde gezwungen, das Rheinland zu verlassen. Er erkrankte in Lemgo und verstarb dort am 11.8.1945, ohne seine Familie wieder gesehen zu haben.
URL der Website
http://www.huerth.de/stadtpolitik/stolpersteine-alt-huerth.php
letzte Änderung
08.11.2016
Erstelldatum
27.06.2016
Druckdatum
18.12.2018

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