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So sehe ich es: Hilfe statt Hysterie

Ansprache von Bürgermeister Dirk Breuer

Liebe Hürtherinnen und Hürther,

die Umstände, die derzeit unseren Alltag bestimmen, wären vor Kurzem für viele noch nicht vorstellbar gewesen. Die fortschreitende Zahl der Infizierungen mit dem Corona-Virus macht auch vor unserer Stadt nicht Halt. Denjenigen in unserer Stadt, die sich infiziert haben, wünsche ich weiterhin eine gedeihliche Genesung. All denen, die in unserer Stadt im Rahmen der medizinischen und pflegerischen Betreuung Sorge dafür tragen, diesen Prozess zu unterstützen, möchte ich meinen Dank aussprechen, ebenso wie den zuständig Handelnden auf Ebene des Rhein-Erft-Kreises, die bisher mit großer Umsicht agiert haben. Auch der Stab für außergewöhnliche Ereignisse ist unter meiner Leitung täglich mit Maßnahmen im Zuge der Corona-Krise befasst. Mein Dank gilt allen Beteiligten aus unterschiedlichen Bereichen der Hürther Verwaltung, die mit großem Engagement an der Bewältigung der jetzigen Situation und der Vorbereitung aufkommender Situationen mitwirken.

Viele Rückmeldungen aus der Bevölkerung sind durch eine Verunsicherung im Zuge einer Infektionsmöglichkeit gekennzeichnet. Die Maßnahmen, die von den Kommunen in Nordrhein-Westfalen nun auf Veranlassung des Landes umgesetzt werden müssen, sind sehr einschneidend und sie werden auch zu vielen Härten führen. Im Vordergrund steht aber der Schutz der als Risikopatienten eingestuften Mitglieder auch unserer Stadtgesellschaft.

Nach den bisherigen Erkenntnissen führender Virologen werden sich bis zu 70 Prozent der Bevölkerung früher oder später mit dem Virus infizieren. Demnach verbreitet sich das Virus ähnlich wie eine Erkältung bspw. durch Husten und Niesen. Demgemäß können die Viren bis zu anderthalb Meter durch die Luft gewirbelt werden. Insofern ist insbesondere in Menschenansammlungen die Infektionsgefahr deutlich erhöht. Für die meisten Menschen sei dies nach Auffassung der Fachleute nicht weiter schlimm. In acht von zehn Fällen äußerte sich die Infektion relativ harmlos mit Husten, Schnupfen, vielleicht auch Fieber. Es gibt auch Fälle, die gänzlich symptomfrei bleiben.

In den übrigen Fällen, insbesondere bei älteren Menschen oder Menschen mit Vorerkrankungen, die ein geschwächtes Immunsystem haben, ist die Gefährdung aber groß und darin liegt auch das Problem. Da es noch keine medikamentöse Therapie und keine Impfung gibt, sind alle Maßnahmen darauf ausgerichtet, eine Ausbreitung zu verlangsamen, damit unser Gesundheitssystem weiterhin in der Lage ist, alle Betroffenen mit ernsthaften Symptomen bestmöglich versorgen zu können.

Allerdings werden die Maßnahmen selbst, die nun zunächst bis zum 19. April gelten, nicht ohne Folgen bleiben. Viele Menschen treiben auch existenzielle Sorgen um: Die Sorge um Menschen in sozialen Notlagen, die Sorge in psychischen Nöten, die mit dem schrittweisen Entzug sozialen und religiösen Lebens verbunden sein können, die Sorge um den eigenen Arbeitsplatz, die Sorge um den Betrieb, die Sorge, dass unser Zusammenleben nachher nicht mehr so sein wird wie vorher.

Daher gilt es - bei allen dringend erforderlichen Maßnahmen - besonnen zu handeln und ebenso im persönlichen Alltag zu agieren. Wir alle sollten uns vor hysterischem Gehabe oder anklagendem Fingerzeig hüten. Das nutzt nichts, kann aber umso mehr schaden.

Daher hoffe ich, dass auch in der jetzigen Situation, das deutlich wird, was uns Hürtherinnen und Hürther auszeichnet: Zusammenhalt und Hilfsbereitschaft. Hilfe statt Hysterie – das sollte der Leitsatz in den nächsten Wochen in Hürth sein.

Positiv sehe ich die Bereitschaft vieler Hürtherinnen und Hürther, die sich in den sozialen Medien anbieten, für ältere, erkrankte oder unter Quarantäne stehende Mitbürgerinnen und Mitbürger einkaufen zu gehen oder anderweitig behilflich zu sein. Dafür bin ich sehr dankbar.

Weitere Möglichkeiten haben wir alle, um heimische Gaststätten und Einzelhändler zu unterstützen, die nun unmittelbar unter den Maßnahmen leiden werden. Viele dieser Betriebe bieten schon ein Lieferangebot fürs Essen oder andere Dinge des häuslichen Bedarfs. Wenn Sie unter normalen Umständen in den kommenden Wochen in ein Hürther Restaurant gegangen wären, nutzen Sie doch jetzt diese Angebote, um sich leckere Speisen nach Hause bringen zu lassen. Sie helfen damit den Familien, deren wirtschaftliche Existenz von der Gastronomie abhängt, ein Stück weit besser durch die vor uns liegende harte Zeit zu kommen. Aber auch Einzelhändler und andere Gewerbetreibende bieten Services, wie etwa im Onlinebereich an. Prüfen Sie bitte zunächst, ob es Angebote vor Ort gibt, bevor sie vielleicht bei großen Online-Anbietern. bestellen. Bitte unterstützen Sie unser Gewerbe vor Ort auch in dieser Zeit, denn sonst wird nach Ende der Krise möglicherweise ein spürbarer Verlust der örtlichen Angebote festzustellen sein.

Um den Betrieben zu erleichtern, Ihre Angebote darzustellen, habe ich veranlasst, dass über die städtische Internetseite eine Plattform eingerichtet wird, auf der Unternehmen ihre zusätzlichen Angebote darstellen können. Als Hürther Gewerbetreibende können Sie ab Mittwochnachmittag Ihre Angaben hier selber einpflegen. Dann haben die die Hürtherinnen und Hürther die Möglichkeit, sich zielgerichtet über die lokalen Bring-, Service- und Lieferdienste zu informieren.

Zudem sind auf der Internetseite der städtischen Wirtschaftsförderung die wichtigsten Informationen für Unternehmen und Gewerbetreibende, die einer Unterstützung dienlich sind, bereitgestellt.

Für viele Eltern, deren Kinder nun zu Hause betreut werden müssen, werden die kommenden Wochen ebenfalls eine große Herausforderung darstellen – insbesondere für Alleinerziehende. In familiärer Hinsicht kann diese Zeit bei allen Schwierigkeiten auch die Chance eines positiv weiterentwickelten Zusammenseins darstellen. Da aber auch die Betreuung daheim wirtschaftliche Auswirkungen mit sich bringt, möchte ich in Übereinstimmung mit den politischen Vertretern der Stadt Hürth aufgrund der außergewöhnlichen Umstände allen Erziehungsberechtigten, denen für den Zeitraum der Schließung von Kindertageseinrichtungen und Offenen Ganztagsgrundschulen beziehungsweise im Rahmen der Kindertagespflege die Nutzung eines Notbetreuungsplatzes nicht offensteht, die jeweiligen Elternbeiträge zurückerstatten.

Aufgrund der derzeitig befristeten Erlasslage ergibt sich diese Elternbeitragsfreiheit zunächst für einen Monat. Sollte die Schließzeit noch länger als bisher geplant andauern, wird seitens der Stadt Hürth eine weitergehende Erstattung geprüft. Das Jugendamt der Stadt Hürth wird allen Betroffenen die Elternbeiträge in einem unbürokratischen Verfahren erstatten. Über die Abwicklung des Verfahrens wird es zu einem späteren Zeitpunkt weitergehende Informationen geben.

Auch im Fall der Verpflegungsgelder in städtischen Kindertages- und OGS-Einrichtungen für Kinder, die nicht in einer Notgruppe verpflegt worden sind, wird es eine Erstattung geben. Dies geschieht im Gegensatz zu den Elternbeiträgen jedoch automatisch, ohne gesonderten Antrag. Eltern, deren Kinder Einrichtungen anderer Träger besuchen, sollten sich bezüglich einer möglichen Erstattung der Verpflegungsgelder direkt an diese Träger wenden.

Ich hoffe, dass die Maßnahmen zur Verlangsamung der Corona-Infektionen erfolgreich sein werden und die Einschränkungen unseres täglichen Lebens einen Beitrag leisten. Wenn wir weiterhin als Stadtgesellschaft zusammenhalten, uns auch in etwaigen Notlagen unterstützen und nicht jeck machen lassen, bin ich zuversichtlich, dass das Hürther Leben nach Beendigung des jetzigen Zustands wieder aufblühen wird. In der Zwischenzeit werden wir Sie über aktuelle Entwicklungen auf unserer Homepage und in den sozialen Medien auf dem Laufenden halten.

Bleibt gesund und passen Sie auf sich auf!

Ihr und Euer

Dirk Breuer

Bürgermeister der Stadt Hürth

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URL der Website
http://www.huerth.de/stadtpolitik/1110-Buergermeister_Ansprache_20200317.php
letzte Änderung
30.03.2020
Erstelldatum
18.03.2020
Druckdatum
02.04.2020

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