Thetford (England)
Geschichte der Stadt Thetford
Eine alte Brücke in der Stadt Thetford.
Schon zu Zeiten der ersten Siedler war diese Stelle ein wichtiger Knotenpunkt, denn die älteste Straße Englands, der Icknield Way, führte seit der Steinzeit nicht nur willkommene Besucher hierher. Auch von der Küste her gelangte manche Invasionsarmee entlang des Waveney-Tals nach Thetford, die in Zusammenhang mit Bodicea, den Iceni und dem Aufstand gegen die Römer erwähnt wird.
Im zehnten Jahrhundert, zu Zeiten der Wikinger, war sie sogar eine der größten und bedeutendsten Städte in ganz England. Nach der Eroberung durch die Normannen (1066) war Thetford kurzzeitig Standort für eine Kathedrale, auch war sie die sechstgrößte Stadt Englands und hatte 12 Kirchen. Die Lage inmitten der sandigen Heidelandschaft, heute Breckland genannt, und die Entfernung zum Meer waren jedoch ungünstig, die Stadt konnte ihre Stellung über die Jahrhunderte nicht behaupten.
Im Jahre 1999 konnte man das 800-jährige Bestehen des Bürgermeisteramts in Thetford feiern. 1574 wurden die Stadtrechte durch Königin Elisabeth I. erheblich gestärkt (u.a. wurden Marktrechte verliehen), so dass Thetford bis 1972 und der Eingliederung in den Breckland District Council sich selbst verwalten durfte. Im 19. Jahrhundert florierte die Stadt während der industriellen Revolution durch den Bau von Dampffahrzeugen, die auch der Landwirtschaft dienten - bis 1928 war Charles Burrell's Engineering Works ein wichtiger Arbeitgeber. Die Weltwirtschaftskrise traf Thetford schwer, erst in den fünfziger Jahren gelangte sie durch Neuansiedlung von Leichtindustrie und den Bau von großen Wohnsiedlungen wieder zu Ruhm - als die Stadt mit der höchsten Wachstumsrate in Großbritannien!
Ancient House Museum.
Heute erahnt man nur bei näherem Hinschauen die Höhen und Tiefen der Geschichte Thetfords - bei einem Stadtrundgang, den man bequem zu Fuß bewältigen kann, sieht man Castle Hill, einen offensichtlich von Menschenhand geschaffenen Erdhügel, der bereits 500 Jahre vor Christi Geburt der Verteidigung diente; das Ancient House Museum, ein Fachwerkbau, der um 1500 entstand und heute auch als Touristen-Informationszentrum dient; die Ruinen von zwei Klostern (es waren ursprünglich noch mehr, bis Heinrich VIII. diese Mitte des 16. Jahrhunderts im ganzen Lande auflöste); die Grammar School, die 1566 gegründet wurde und teilweise noch erhalten ist; außerdem das historische Bell Hotel (16. Jahrhundert) und der Markt mit der Guildhall, King's House (hier haben Bürgermeister, Stadtrat und die städtischen Beamten ihre Büros), wenn man Glück hat, darf man hier die "regalia", Amtszeichen der Stadt, bewundern, davor die goldene Statue von Thomas Paine (1737-1809), des berühmtesten Sohns Thetfords, der in Amerika und Frankreich durch seine revolutionären Veröffentlichungen zu Ruhm gelangte; beim Spaziergang entlang der Flüsse Thet und Little Ouse sieht man herrliche alte Brücken und die Mühle, kaum zu glauben, dass diese Idylle mitten durch die Stadt verläuft!
Hauptstraße von Thetford.
Doch Thetford hat heute auch die Infrastruktur einer modernen Stadt - ein zentral gelegenes Einkaufszentrum sowie große Supermärkte an der Peripherie, eine Fußgängerzone, moderne Schulen usw. sowie gute Verkehrsanbindungen. Das Stadtbild wurde jedoch sorgfältig erhalten, alte Häuserzeilen, gebaut mit Feuersteinen, erfreuen das Auge - aus den nah gelegenen Bergwerken Grimes Graves wurde das Baumaterial gewonnen, eine weitere Besucherattraktion. Die nähere Umgebung bietet mit Thetford Forest, einem der größten zusammenhängenden Forstgebiete Englands, vielfältige Freizeitmöglichkeiten.


