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Pressemitteilung der Stadt Hürth vom 03.12.2010


Hochrangige Gäste aus der kenianischen Partnerstadt Kabarnet informieren sich umfassend in Hürth

Während eines Empfanges trug sich fünfköpfige Delegation ins Goldene Buch der Stadt Hürth ein


Bildunterschrift: Im Beisein von Bürgermeister Walther Boecker sowie Vertretern der Hürther Ratsfraktionen trugen sich Bürgermeister Julius Kiprop und die weiteren vier Gäste aus Kabarnet ins Goldene Buch der Stadt Hürth ein. Foto: Pütz Großbildansicht

Hürth (pü) - Im Rahmen ihres Besuches in der Partnerstadt Hürth haben sich Vertreter von Rat und Verwaltung aus dem kenianischen Kabarnet ins Goldene Buch der Stadt Hürth eingetragen. Zwei Tage zuvor wurden Bürgermeister Julius Kiprop, stellvertretender Bürgermeister Joshua Matetei, Isaac Chebon, Direktor der Verwaltungsfachschule in Kabarnet, Stadtdirektor Richard Kipkurui Rotich und Stadtverordnete Beatrice Kiyeng im Hürther Rathaus von Bürgermeister Walther Boecker offiziell empfangen. Boecker war im Sommer 2009 zusammen mit Rüdiger Winkler, dem Vorsitzenden des Partnerschaftsvereins Hürth, zu einem Besuch in Kabarnet gewesen und hatte die Gäste nun zu einem Gegenbesuch eingeladen.

Im Rahmen des zweistündigen Gespräches berichteten die Gäste aus ihrer Heimat. So sollen dort am 4. August 2012 Wahlen stattfinden, die mit der Einführung neuer Verwaltungsstrukturen einhergehen. Wichtigstes Anliegen ist die Entwicklung eines funktionierenden Abwassersystems. Dr. Manfred Faust, der im Partnerschaftsverein den Arbeitskreis Kabarnet leitet, verwies in diesem Zusammenhang auf eventuell bestehende Fördermöglichkeiten seitens der Europäischen Union, des Bundesentwicklungshilfeministeriums und des Landes Nordrhein-Westfalens. Als Voraussetzung für eine langfristige Förderung sei eine Konkretisierung von Entwicklungsprojekten zwingend notwendig. Bürgermeister Walther Boecker empfahl den Gästen, eine Prioritätenliste zu erarbeiten, um eine effektive Hilfe zu ermöglichen. "Wir werden die Entwicklung mit großem Interesse verfolgen", so Boecker abschließend.

Seit 26. November 2010 verweilt die Delegation in Hürth. Untergebracht ist sie bei Gastfamilien in Hürth. Bis zu ihrer Abreise am 7. Dezember 2010 steht ein umfassendes und abwechslungsreiches Besuchsprogramm im Mittelpunkt ihres Aufenthaltes. Unter anderem sind Schulbesuche sowie Ausflüge nach Bonn, Brühl und Köln vorgesehen. Betriebsbesichtigungen, Gottesdienste und Besuche auf dem Weihnachtsmarkt runden das Programm ab. Besonders beeindruckt zeigten sich die Gäste während einer Stadtrundfahrt in Hürth von der Funktionalität der Kläranlage und der Feuerwehr.

Die Entstehung der Städtepartnerschaft zwischen Hürth und Kabarnet begann Anfang der 1980er Jahre. Seinerzeit wurde zunehmend deutlich, dass die klassische, seit etwa 1960 betriebene Entwicklungshilfe bis dahin nur wenig erfolgreich war. Auf der Suche nach neuen Wegen entstand die Idee, dass auch die Städte und Gemeinden der entwickelten Länder durch Partnerschaften mit Kommunen in der sog. Dritten Welt einen Beitrag zu einer konkreten und effektiven Entwicklungszusammenarbeit leisten könnten und sollten. Die Stadt Hürth richtete 1985 erstmals eine Haushaltsstelle für die Unterstützung von Entwicklungsprojekten ein. Mit Hilfe des Deutschen Entwicklungsdienstes, der Deutschen Botschaft in Nairobi und aufgrund persönlicher Kontakte des damaligen Hürther Kulturdezernenten Michael Mende wurde Kabarnet in Kenia als Partnerstadt gefunden. Am 28. Juni 1988 erfolgte in Hürth die Unterzeichnung der Partnerschaftsurkunden unter Anwesenheit des kenianischen Botschafters in Deutschland.

Kabarnet liegt im kenianischen Hochland etwa 300 km nördlich der Hauptstadt Nairobi auf etwa 1.800 Höhenmetern. Daher ist das Klima auch für Europäer relativ angenehm und man sieht überall sehr viel Grün. In einem Stadtgebiet von 92 km2 leben etwa 15.000 Menschen. Die Stadt ist Hauptort des Baringo-Countys in der Provinz Rift Valley und hat den Charakter einer Streusiedlung. Das Zentrum mit Rathaus, Geschäften, Krankenhaus, einem Hotel und weiterführenden Schulen ist relativ klein und umgeben von zahlreichen Dörfern und ländlichen Siedlungen mit einfachen Häusern und Hütten. Die Menschen leben ganz überwiegend von der Landwirtschaft, die meisten sind sehr arm.

Mit Finanzmitteln aus Hürth (städtische Gelder und Spenden von Firmen, Schulen, Kirchen, Institutionen wie dem Hürther Lions-Club und zahlreichen Privatpersonen) konnten in Kabarnet einige Projekte verwirklicht werden, die das Leben der Menschen dort sicher verbessert und erleichtert haben:

  • Bau eines zentralen Schlachthauses für den gesamten Baringo-Distrikt;
  • Bau einer Trinkwasserzisterne und Beschaffung eines Wassertankwagens;
  • Bau einer Krankenstation;
  • Gründung und Bau einer weiterführenden Schule für ärmere Kinder, deren Eltern sich eine Unterbringung im Internat nicht leisten können. Die Schule trägt den Namen Kabarnet - Huerth Secondary Day School;
  • Infolge der Partnerschaft wurde Deutsch als Unterrichtsfach an den Oberschulen in Kabarnet eingerichtet.

Ein besonderes Gewicht lag immer auf der Unterstützung der Schulen sowie auf der Förderung einer Zusammenarbeit zwischen den Schulen in Hürth und Kabarnet. Zwischen den drei als Internate geführten Oberschulen in Kabarnet und den beiden Hürther Gymnasien sowie der Friedrich-Ebert-Realschule bestehen seit vielen Jahren Partnerschaften, die aber wegen der Fluktuation bei Schülern und Lehrern auf beiden Seiten immer wieder neu belebt werden müssen. Auch zwischen dem Europakolleg Goldenberg und der Baringo-Berufsschule gibt es partnerschaftliche Kontakte. Viele Hürther Schulen haben mit vielfältigen Aktionen, wie beispielsweise Spendenläufen, den Schulen in Kabarnet geholfen - etwa beim Bau neuer Klassenräume, bei der Verlegung eines Stromanschlusses, bei der Beschaffung von Mobiliar, Schulbüchern oder eines ersten Computers.

Trotz der großen Entfernung hat es seit der Gründung der Partnerschaft zahlreiche persönliche Kontakte gegeben und manche persönlichen Freundschaften sind entstanden. Sicher deutlich mehr als 100 Hürther und Hürtherinnen waren schon in Kabarnet. Sie waren von der Gastfreundschaft der Menschen dort begeistert und haben sich von ihrer Fröhlichkeit anstecken lassen. Wiederholt war es möglich, Mitglieder der Stadtverwaltung und des Stadtrates, Lehrer und Schüler aus Kabarnet in Hürth zu begrüßen. Und viele Schulkinder aus Kabarnet und Hürth haben sich Briefe geschrieben und so direkt etwas von der jeweils anderen Welt erfahren.

In Zukunft soll eine weitere Unterstützung der Schulen möglich gemacht werden. Zunächst ist ein Ausbau der Kabarnet-Huerth School geplant. Weiter ist eine Förderung der Frauengruppen in Kabarnet vorgesehen, die durch gemeinsame Aktivitäten wie Viehhaltung, Herstellung von Schmuck oder anderen handwerklichen Produkten versuchen, den Lebensunterhalt für ihre Familien zu sichern. Darüber hinaus soll nach Möglichkeit versucht werden, Abwasserentsorgung und die Trinkwasserversorgung zu verbessern. Ferner soll die Förderung von Kontakten zwischen den Menschen, vor allem zwischen den Schulen und Schülern in beiden Städten, vertieft werden. "Wir möchten den Hürthern die Lebenssituation, die Kultur und die Probleme der Menschen in Afrika näher bringen", so Dr. Manfred Faust.

In Kabarnet hat sich 2009 eine "Partnerschaftsgruppe" gebildet, in der neben führenden Vertretern von Rat und Verwaltung vor allem auch die dortigen Deutschlehrer/innen vertreten sind. "Wir wollen in Zukunft intensiv mit dieser Gruppe zusammenarbeiten und gemeinsam diskutieren und entscheiden, welche Projekte wir zusammen angehen können und wollen.

Auch ein halbes Jahrhundert Entwicklungshilfe hat gerade in Afrika wenig bewirkt, das ist eine traurige Tatsache. Die Lebensverhältnisse der Menschen dort konnten seit der Unabhängigkeit der afrikanischen Staaten nicht wirklich verbessert werden. Aber sollen wir deshalb aufgeben und die Menschen ihrem Schicksal überlassen? Wir meinen nein. Wir können mit einer Partnerschaft zwischen zwei Kleinstädten keine Bäume ausreißen und die Probleme der Welt nicht lösen. Aber wir können hier und da etwas helfen und zusammen mit den Menschen in Kabarnet die eine oder andere Verbesserung ihrer Lebenssituation, vor allem die der Kinder, erreichen. Unseren Freunden in Kabarnet ist die Partnerschaft mit Hürth sehr wichtig und sie wollen, wie sie sagen, alles für deren Fortbestand tun. Und ganz sicher können wir von den Afrikanern auch vieles lernen - mehr Dankbarkeit, Fröhlichkeit und Gelassenheit etwa", so Faust wörtlich.

Bürgerinnen und Bürger, die sich für das Thema Kabarnet interessieren, wenden sich bitte an Dr. Manfred Faust, Telefon 02233 / 77929, drmfaust@netcologne.de, oder an dessen Stellvertreter Stefan Breuer, Telefon 02233 / 978844, kabarnet@pv-huerth.de.




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